Begegnungen in Burg

gommern 

MITEINANDER GLAUBEN, MITEINANDER LEBEN, MITEINANDER TEILEN…

… wie das in Zeiten von einer Kirche im Umbruch, oder besser, im Aufbruch gehen kann, durften wir, Mitglieder der Gruppe ‚Lokale Kirchenentwicklung’ unseres Pastoralverbundes, Ende Oktober in der Pfarrei St. Johannes in Burg bei Magdeburg erleben.

 

Direkt bei unserer Ankunft in Gommern wurden wir von zwei Frauen, die sich dort in der Gemeinde engagieren, mit einer großen Freundlichkeit empfangen. Pfarrer Jörg Bahrke und Gemeindereferentin Kathrin Feineis, die wir beim Netzwerktreffen mit den Bistümern in Göttingen kennen lernen durften, trafen kurz darauf auch ein und so kamen wir bei leckerem Apfelkuchen und heißem Kaffee in einen ersten Austausch. Anschließend fand eine Begegnung in der Kirche mit ein paar Menschen der Gemeinde statt, auf deren Initiative im Oktober jeden Freitag der Rosenkranz gebetet wird. Das Gebet ermöglichte uns nach der langen Anreise anzukommen und zur Ruhe zu kommen. Einen besonderen Ort der Begegnung, der uns schon aufgefallen war, als wir nach Gommern hereinfuhren und den wir an dem Abend auch kennen lernen durften, war die BrauSerei. Dort erhielten wir keine Weinprobe, keine Bierprobe, sondern – richtig – eine Brauseprobe und gingen geschmacklich auf eine Erlebnisreise, die uns viele verschiedene Sorten von Fassbrause bot. Mit viel Witz und Charme präsentierte uns der Inhaber Christian Königs sein Reich und sein Handwerk.

 

Nach diesen Geschmacksabenteuern zog es uns dann nach Burg, wo wir unsere Unterkunft beziehen konnten. Drei von uns waren im Pfarrhaus untergebracht, zwei von uns in jeweils einem Privathaushalt, in einer „Gastfamilie“ sozusagen, was irgendwie etwas von Weltjugendtag hatte. Miteinander glauben, miteinander leben, miteinander teilen, diese Aspekte bekamen so auch noch einmal eine andere Note. Zum Abendessen versammelten wir uns im Pfarrheim in Burg und hatten in diesem Rahmen die Gelegenheit, einander kennen zu lernen, uns auszutauschen, voneinander und von den Menschen, die um uns herum glauben, leben und arbeiten, zu erfahren. Wir haben sehr intensive Gespräche geführt, Freude und Leid miteinander geteilt und vor allem auch viel miteinander gelacht. Und bei allem, was wir an diesem ersten Tag gemeinsam erlebt haben und was wir in den weiteren beiden folgenden Tagen erfahren sollten, war eines klar: Jesus ist immer und überall unter uns. Deswegen ist auch immer ein zusätzlicher Platz für ihn bestimmt, erkennbar an einem leeren Stuhl in unserer Runde.

 

So auch am nächsten Tag, an dem wir eine ökumenische Begegnung mit dem Gemeindeleiter der Neuapostolischen Gemeinde in Burg hatten. Wir hörten vom Gleichnis vom Senfkorn und vom Sauerteig und fanden auf unterschiedliche Weise Zugang zu diesem Text und beschenkten uns dadurch gegenseitig mit den verschiedenen Deutungsansätzen. Wir durften erfahren, wie die Ökumene vor Ort gelebt wird und sind auch mit ihm in einen lebendigen, von Gottes Geist getragenen Austausch gekommen. So berichtete der Gemeindeleiter beispielsweise, dass die katholische Gemeinde der Neuapostolischen Gemeinde die Räumlichkeiten des Pfarrheims für gemeinsame Gottesdienste zur Verfügung gestellt hat, als dies in ihren eigenen Räumen wegen Renovierungsarbeiten nicht möglich war. Sich einander lieben und wertschätzen als Christen, sowohl mit den Gemeinsamkeiten als auch mit den Unterschieden, das war eine der zentralen Botschaften. Um auf die Passage vom Gleichnis vom Senfkorn zurückzugreifen: „sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.“ (Mt 13,32) In Gottes Schöpfung gibt es verschiedene Vögel, bunte Vögel und alle haben sie einen Platz in dem großen Baum, der aus einem Senfkorn gewachsen ist.

 

An diese besondere Begegnung schloss sich eine Stadtführung durch Burg an, allerdings nicht so eine Stadtführung, wie wir sie uns vielleicht gedacht hätten. Bei der Stadtführung ging es nämlich nicht um Gebäude. Wir suchten Orte auf, wo Menschen leben, Menschen, die am Rand stehen, Menschen, die alleine sind, Menschen, die ein schweres Schicksal erleiden mussten, geflüchtete Menschen… Und so besuchten wir Amar, einen Geflüchteten aus Syrien. Er hat vor 15 Monaten einen Zettel in den Briefkasten des Pfarrhauses geworfen, auf den er folgende Worte geschrieben hatte: „Ich heiße Amar. Ich bin Christ. Ich möchte Deutsch Lernen.“ Der Umgang des Pfarrers und der Gemeindereferentin mit ihm war sehr verständnisvoll und sehr geduldig. Er lernt zur Zeit Deutsch. Er hat eine Wohnung bekommen, für die Möblierung der Wohnung gab es großzügige Sachspenden. Allerdings, so erzählte uns Amar, ist er viel allein. Er fühlt sich einsam, hat wenig Kontakt zu anderen Menschen, weil sie, so wie er sagt, Angst vor ihm haben. Und immer wieder wiederholte er die Frage: „Warum?“ Ja, warum haben die Leute Angst vor Amar… Diese Begegnung mit Amar wird uns auf jeden Fall noch nachhaltig begleiten.

 

Abends fuhren wir nach Loburg, um dort die heilige Messe zu feiern. Doch zuvor besuchten wir noch einen weiteren Ort der Begegnung – das Barbycafé in Loburg. Wir betraten einen Raum, der erfüllt war von Wärme – nicht nur physisch gesehen, es herrschte dort eine unglaublich warme und einladende Atmosphäre. Dort genossen wir ein bisschen von den hausgemachten Torten und warmen Getränken. Und die Menschen gehen dort gerne hin, selten bekommt man dort kurzfristig noch einen Tisch.

 

Die Zubereitung des Abendessens am Samstagabend war auch ein Gemeinschaftsprojekt – gemeinsames Pizzateigausrollen und Pizzateig belegen war angesagt. Nachdem wir uns damit auch gestärkt hatten, ging es inhaltlich weiter. Pfarrer Bahrke und Katrin Feineis stellten uns die Zukunftsbilder des Bistums Magdeburg 2019 vor, mit denen wir uns im Anschluss in intensiver Gruppenarbeit auseinandersetzten und uns mit den Konsequenzen, die daraus folgen sollen, befassten. Es war ein wirklich intensiver und auch persönlicher Austausch, weil es jede und jeden einzelnen von uns etwas angeht. Nach diesem inhaltlichen Austausch setzten wir den Abend gemütlich und ausgelassen fort. Sowohl ernsthafte Gespräche als auch vieles, über das wir uns freuen können, hatte Platz in unserer Gemeinschaft. Und das tat gut! Und auch wir haben uns untereinander nochmal anders erleben können, als es bisher vielleicht möglich war und das ist für uns persönlich auch ein tolles Geschenk.

 

Der nächste Tag, der Sonntag, bescherte uns eine Stunde länger Schlaf. Nach dem Abend zuvor kam uns das auch wie gerufen. Für das Hochamt zog es uns wieder nach Gommern. Pfarrer Bahrke und Pfarrer Köhle zelebrierten die Messe gemeinsam. Nach der Messe gab es die Möglichkeit zur Begegnung im Pfarrheim mit einem reichhaltigen Buffet, warmen und kalten Getränken. Die Gemeindemitglieder begegneten uns mit großer Offenheit, Freundlichkeit und Neugier. So waren die Gespräche miteinander sehr lebendig und die Zeit verging wie im Flug. So rückte dann auch unsere Abreise deutlich näher.

 

Beschenkt von Gott und den Menschen aus der Pfarrei St. Johannes in Burg brachen wir Richtung Siegerland auf mit vielen Eindrücken und Erfahrungen im Gepäck und sind sehr dankbar für die Begegnung mit den Menschen in Burg!

 

Laura Neuhaus, Gemeindereferentin