Freudenberg. Da es morgens schon kalt war, ist sie schon früh morgens aus dem ostwestfälischen Paderborn angereist: Frau Gesche Hausin von der Projektstelle „Faire Gemeinde“ des Erzbistums Paderborn. Im Hochamt der St. Marien-Gemeinde überreichte sie – nach einer interessanten Laudatio – den Vertretern der Gemeinde die Plakette und die Urkunde zur Anerkennung der Kirchengemeinde als „Faire Gemeinde“. Es passte alles gut zusammen: aus diesem und aus dem weiteren Anlass „50 Jahre Kirchweih St. Marien“ wurde der Gottesdienst vom Gospelchor „Reach out“ aus Weidenau festlich mitgestaltet.

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In ihrer Ansprache erzählte Gesche Hausin von dem langen Weg, den St. Marien im Sinn der Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit bereits zurückgelegt hat.

Mehr oder weniger angefangen hat alles im Jahr 1994. Eine der Firmgruppen (Leiter waren Diakon Ralph Vartmann und Frau Waltraud Töpfer) beschäftigte sich mit dem Gedanken des Fairen Handels. Aus dieser Gruppe ging dann der Eine-Welt-Stand hervor, der seitdem wöchentlich fairen Kaffee u.v.m. zum Verkauf anbietet. Schon seit vielen Jahren (bis heute) wird der „Stand“ betrieben von Frau Peters-Ludewig und Frau Schuhen. Weitere Schritte auf dem Weg waren und sind:

20img_9528-003-869x120002 – Die Caritas-Konferenz St. Marien beschließt, zu Seniorengeburtstagen vor allem Waren vom Eine-Welt-Stand zu verschenken, um damit den Fairen Handel zu unterstützen und in der Gemeinde bekannt zu machen.

Der PGR (Pfarrgemeinderat) beschließt 2005, dass in der Gemeinde bzw. im Gemeindehaus soll nur noch fairer Kaffee ausgeschenkt werden soll. Das gilt sowohl für die Gruppen der Gemeinde, aber auch für Gäste.

In 2008 schließt die Gemeinde sich dem sogenannten „Coca Cola Boykott“ an, d. h. ab sofort werden in der Gemeinde werden bei Feierlichkeiten u. ä. keine Getränke der Coca-Cola-Company mehr angeboten.

Ein Jahr später beschließt der Kirchenvorstand (KV), auf dem Dach des Gemeindehauses eine Photovoltaikanlage zu installieren, um saubere Energie zu erzeugen.

Am 24.07.2013 dann war es endliche soweit: die Gemeinde beschließt, sich in Paderborn als faire Gemeinde zu bewerben. Weitere konkrete Schritte werden in Angriff genommen:

1. Bereich Energie: Die Beleuchtung im Gemeindehaus soll erneuert werden. – Inzwischen konnte der Energieverbrauch in diesem Bereich auf unter ein Sechstel reduziert werden.

2. Das neue Gotteslob wurde in größeren Stückzahlen bestellt und in der Gemeinde verkauft (Vermeidung von CO² Ausstoß durch Einzellieferungen).

3. Bereich Lebensmittel: Schulen, Cafés, Stadtverwaltung, Gemeinden im PV sollten überzeugt werden, in ihrem Bereich Fairen Kaffee auszuschenken.

4. weitere Aktionen:

– am 30.03.2014 wird der Film „Hunger“ im Gemeindehaus gezeigt.

– am 06.04.2014 wird natürlich auch nach dem Hungermarsch (200 TN) im Gemeindehaus Fairer Kaffee ausgeschenkt.

– am 04.05.2014 bereitet der PGR für die Gemeinde nach dem Hochamt ein faires Frühstück vor mit Produkten vom Eine-Welt-Stand, mit selbst gebackenem Brot, selbstgemachter Marmelade, Bioeiern vom Bauern aus Freudenberg, auf dem Tisch stehen Blumen aus dem Garten, … Gleichzeitig gibt es Informationen: warum es heute keine Wurst gibt, warum Blumen aus dem Garten, warum fair gehandelter Kaffee, …

– am 09.05.2014 steht der PGR mit einem Stand auf dem Freudenberger Wochenmarkt und schenkt GEPA-Kaffee vom Eine-Welt-Stand aus, dazu gibt es Waffeln, Gespräche und weitere Informationen.

Im PV (Pastoralverbund) wird regelmäßig von der Bewerbung als faire Gemeinde berichtet. Die anderen Gemeinden werden aufgefordert, sich anzuschließen: Heilig Kreuz (inzwischen ebenfalls als Faire Gemeinde anerkannt) bewirbt sich und St. Joseph schenkt fairen Kaffee aus.

Regelmäßig werden Infos zum Thema „Faire Gemeinde – nachhaltig und gerecht“ im Pfarrbrief abgedruckt.

Bei eigenen Festen achtet die Gemeinde darauf, dass nicht unnötig Müll entsteht. So wird nach Möglichkeit eigenes Geschirr statt Pappe oder Plastik verwendet.

Seit vielen Jahren veranstaltet die KAB der Gemeinde im Herbst den „Südtiroler Abend“. Bei der Tombola gibt es als Hauptgewinn immer eine Gans, die an die Gründung der Gemeinde am 11.11.1859 erinnern soll. Dabei achtet die KAB darauf, dass nicht billige „Stopfgänse“ verlost werden, sondern die (wesentlich teureren) Gänse aus ökologischer Aufzucht.

Zur jährlichen Nikolaus-Feier werden an die Kinder nicht Weihnachtsmänner, sondern echte Nikoläuse aus fairem Handel verschenkt.

Um etwas gegen die massenweise Verwendung von Plastik-Einkaufstaschen zu unternehmen, lässt die Gemeinde Stofftaschen herstellen mit dem Logo von St. Marien.

Auch auf einem Informationsblatt für Angehörige von Verstorbenen wird auf das Thema hingewiesen: „In einiger Zeit werden sie einen Grabstein aussuchen. Fragen Sie bei Ihrem Steinmetz nach einem Stein, einer Grabeinfassung, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit den Weg zu uns gefunden haben. Vielen Dank!“

Ein Neujahrsgeschenk, darauf weist Pfr. Lenz in seinem Dankeswort hin, sei auch Verpflichtung, im Sinne von Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit auch in Zukunft weitere Schritte zu gehen und sich nicht auf Erreichtem auszuruhen.

Gleichzeitig dankt die Gemeinde ganz konkreten Personen, die dieses Anliegen besonders gefördert haben:

– all denen, die über all die Jahre den Eine-Welt-Stand betrieben haben

– Frau Gisela Lükewille, die das Projekt „Faire Gemeinde“ besonders gefördert, unterstützt und auf den Weg sowie bis zur Auszeichnung gebracht hat.

– Den Herren Oberhofer, Haak und Zwinscher, die sich um die neue Beleuchtung im Gemeindehaus gekümmert und die Installation übernommen haben.

– all denen, die beim Gemeindefrühstück, in der Caritas, beim PGR, bei Beerdigungskaffees im Gemeindehaus, in den Gruppen usw. das Anliegen des Fairen Handels und der Nachhaltigkeit in der Gemeinde unterstützen.

– und zu allerletzt natürlich den treuen Kunden, die mit dem Erwerb der Waren aus Fairem Handel die Menschen vor Ort unterstützt haben und es weiter tun werden.

Das Projekt Faire Gemeinde wird getragen vom BDKJ im Erzbistum Paderborn, dem Diözesankomitee und dem Erzbistum Paderborn. Projektpartner ist Misereor, gefördert wird das Projekt durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW.